Kommentar: Macht Dolby Atmos nicht kaputt!

Kommentar: Macht Dolby Atmos nicht kaputt!

Meine c’t-Kollegin Ulrike Kuhlmann konnte sich LGs „Wallpaper-TV“ W7 anschauen. Der Fernseher wird mit einer Soundbar ausgeliefert, bei der der Hersteller „Dolby Atmos“-Sound bewirbt. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine Konstruktion, die meiner Meinung nach dem Format eher schadet als hilft.

Erinnert Ihr Euch noch? Im Herbst 2014 drängten Dolby und seine Partner mit damals im Heimkino brandneuen 3D-Sound-Standard „Dolby Atmos“ auf den Markt – mehr oder minder pünktlich zur IFA. Doch damals befanden sich viele Hardware-Komponenten noch in der Entwicklung, die Software-Auswahl war mager (und das was da war meist schlecht) und nur wenige Händler wollten ganze Heimkinos aufbauen, um die Vorzüge des Soundsystems zu demonstrieren.

So kamen bei Präsentationen kurzerhand Onkyos „Dolby Atmos Enabled“-Lautsprecher SKH-410 zum Einsatz, die sich einfach auf die vorhandenen Hauptlautsprecher platziert ließen. Im Blu-ray-Player rotierte dazu die „Transformers“-Disc. Auch viele Journalisten führten ihre Tests alleine mit dieser Kombi durch. Das Ergebnis war meist verherrend – was mit voller Wucht auf das 3D-Soundsystem als solches zurückfiel. Heute wissen wir, dass die Onkyo-Böxchen eine Katastrophe waren – und das sich mit ordentlichen (und korrekt platzierten) Dolby-Atmos-Enabled-Lautsprechern und gutem Material ein sehr guter 3D-Sound erzeugen lässt.

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Nun müsste man denken, dass Dolby aus solchen Fehlern gelernt hat und inen Blick darauf behält, was unter dem Label „Dolby Atmos“ auf den Markt kommt – auch und gerade, um dem Ruf des Systems nicht zu schaden. Denn ein schlechter Eindruck hält oft lange: Bis heute erzählen mir noch Leute, dass sie damals „mal Dolby Atmos probegehört“ hätten und „welcher Mist dieser ganze 3D-Sound“ sei – um mir dann auf Nachfrage zu bestätigen, dass bei der Vorführung die besagten Onkyo-Boxen zum Einsatz kamen.

Ist das Euer Ernst?


Bild © LG

Nun ist gerade meine c’t-Kollegin Ulrike Kuhlmann von der Präsentation des neuen „Wallpaper-TV“ W7 von LG zurückgekommen (ihren Bericht über das spannende Gerät findet Ihr kostenfrei bei ct.de) – und hat erstauliches über die Soundbar des Fernsehers zu berichten, die mit Dolby-Atmos-Sound beworden wird:

Sie enthält zwei Frontlautsprecher und zwei Lautsprecher, die beim Einschalten des TVs mechanisch nach oben ausgefahren werden. […] Allerdings projizieren diese beiden Lautsprecher den Ton nicht an die Decke, wie es für den Atmos Sound von Dolby nötig wäre. […] LG nennt die Kombi 4.2. Das beworbene Dolby Atmos wird im W7 rein virtuell erzeugt.

Damit nicht genug, die Kollegin erhielt auch noch eine interessante Erklärung für diese wundersame Konstruktion:

Dies sei der späten Entscheidung für das Atmos-System geschuldet, erklärte LG. Die Entwicklung des TV-Gesamtsystems war zu dem Zeitpunkt bereits abgeschlossen gewesen.

Wir lernen also: Man kann offenbar mit dem Segen von Dolby ein Dolby-Atmos-System auch im Nachhinein entwickeln. Gut, nun will ich offen sein. Vielleicht ist LG ja ein echter Coup gelungen, praktisch eine neue Variante von Dolby-Atmos-Wiedergabe, die mit dem bisherigen Dolby-Atmos-Enabled-Ansatz (den nicht wenige 3D-Soundfans schon für schwächer halten als eine Wiedergabe über echte Deckenlautsprecher) zumindest mithalten kann. Im Text auf ct.de klingt dies aber nicht ganz so:

Anders als beispielsweise Samsungs Soundbar HW-K950 schafft er es aber nicht, das beeindruckende Mittendrin-Gefühl echten Atmos-Sounds zu erzeugen.

Sorry, aber das ist für mich der Moment, wo der Spaß aufhört. Was um Himmels Willen hat Dolby bitte geritten, da mitzumachen? Ich kann nur hoffen, dass man sich LG nicht durch dessen Engagement bei Dolby Vision auf Fernsehern und mittlerweile sogar Smartphones verpflichtet gefühlt hat.

Doch egal, was letztlich der Grund war: Dies ist ein Irrweg. Nicht nur, weil es wird Leute geben wird, die sich den Fernseher samt Soundbar kaufen und das Dolby Atmos vorführen. Sondern vor allem, weil Dolby mit so einem Mist den Wert seines Soundsystems generell aufweicht. Zu befürchten war das ja bereits bei dieser unsäglichen 3.1.2-Konstruktion der Onyko-Soundbar LS7200, die Ende vergangenen Jahres vorgestellt wurde. Die LG-Nummer ist aber noch einmal eine echte Steigerung. Daher an dieser Stelle einmal klare Worte an Dolby: Hört mit solch einem Mist auf – und zwar jetzt!

© Bilder LG

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