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Erfahrungsbericht Yamaha RX-A3080, Teil 2: Surround AI

Erfahrungsbericht Yamaha RX-A3080, Teil 2: Surround AI

Im zweiten Teil geht es um das „Surround:AI“ genannten Feature, das bisherige Klangverbesserer in den Schatten stellen soll.

Beim Kauf des Yamaha RX-A3080 hatte ich eigentlich einen klaren Plan bezüglich meines Erfahrungsberichts im Kopf: Ich wollte den darin erstmalig genutzten, KI-gestützten Klangverbesserer „Surround AI“ an einigen Filmszenen testen und dann darüber schreiben – ganz simpel.

Und der Test fing auch sehr gut an: Der A3080 führte die Einmessung vorbildlich durch, die angegebenen Abstände, Pegel, Lautsprechergrößen usw. kommen alle sehr gut hin. Auch das Bassmanagement des Receivers weiß bei mir zu überzeugen – nachdem ich Probleme befürchtet hatte, da manche Yamaha-Nutzer über solche klagen. Und schließlich muss ich sagen, dass ich einige Anzeigen beim A3080 wesentlich eindeutiger finde als bei meinem alten Denon AVR-X6200W (ich sage nur „Dolby Atmos“ bei DD-Plus-Spuren auf Netflix).

Wie im ersten Teil berichtet, musste ich dann jedoch feststellen, dass Yamaha die Nutzung des DTS-Upmixers DTS Neural:X auf Dolby-Digital-Plus- und Dolby-True-HD-Spuren unterbunden hat – offenbar aus vorauseilendem Gehorsam.

Mehrere Leser haben inzwischen angemerkt, dass sich DTS Neural:X weiterhin nutzen lasse, indem man den Zuspieler auf die Ausgabe von Mehrkanal-PCM-Ton umstellt. Das ist richtig, bedeutet aber mehr Fummelei im Zuspieler-Setup, wenn man weiterhin auch nativen Atmos- und DTS:X-Sound nutzen will. Bei Tonzuspielung via HDMI-Audiorückkanal (Audio Return Channel, ARC) von TVs kann man wegen der eingeschränkten Bandbreite der Verbindung zudem keinen Mehrkanal-PCM-Ton wählen. Liefert der Fernseher als komprimiertes Format hier nur Dolby Digital Plus, sitzt man in der Patsche.

Die Geschichte mir DTS Neural:X brachte mich also ab von meinem ursprünglichen Konzept. Doch nun endlich zu Surround AI…

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Worum dreht sich hier alles?

Waren die bisherigen Algorithmen jeweils auf ein Genre fixiert – also etwa Actionfilme oder dialoglastige Streifen — verspricht Yamaha hier eine flexible Klangverbesserung. Hierfür analysiert der Prozessor laut Hersteller alle 200 Millisekunden die eintreffenden mittels künstlicher Intelligenz und optimiert den Sound in Echtzeit. Dies soll vor allem Filmen besser gerecht werden, in denen sich Szenen unterschiedlicher Art abwechseln.

Nun zum Grund, warum dieser 2. Teil des Erfahrungsberichts erst mit Verspätung erscheint: Als ich bei Yamaha wegen der DTS-Neural:X-Sperre nachgefragt habe, nutze ich gleich die Gelegenheit, mich zu erkundigen, was es konkret mit einer früheren Aussage des Pressesprechers auf sich hat, der KI-Algorithmus lerne unentwegt weiter. Hierzu erhielt ich zum einen die Aussage, dass das Processing umso effektiver wird, je häufiger der Anwender die Funktion nutzt.

Zum anderen benötige der Surround-AI-Modus laut Yamaha ca. 7 bis 10 Tage, um wirklich merkliche Verbesserungen zu erzeugen. Insofern habe ich den Receiver in den vergangenen Tagen vor den endgültigen Tests ordentlich gefüttert, um mir nicht vorwerfen lassen zu müssen, dass ich das Feature nicht in der korrekten Art und Weise getestet hätte.

Und es geht los…

Surround AI kann man nicht nur auf 5.1- beziehungsweise 7.1-kanalige Soundtracks anwenden, sondern ebenso auf Stereomaterial und sogar auf 3D-Sound-Abmischungen. Ein zusätzliches DSP-Programm lässt sich im AI-Betrieb aber nicht mehr aktivieren.

Auch bei Nutzung eines Upmixers muss die Funktion außen vor bleiben. Allerdings hat Yamaha Surround AI selbst mit einem Upmixing-Algorithmus ausgestattet. Solche herstellereigenen Upmixer will Dolby auch künftig nicht einschränken.

Der Receiver signalisiert über eine Status-LED an seinem Gehäuse, ob Surround AI aktiviert ist. Irgendwelche Einstellmöglichkeiten gibt es nicht. Ein ins TV-Bild einblendbarer Indikator in Form eines verschiedenartig aufleuchtenden Kreises gibt dem Nutzer eine Ahnung, was der Prozessor gerade macht.

Upmixing

Bewertet man lediglich die Upmixing-Funktion von Surround AI, so fällt das Ergebnis recht eindeutig aus. So lässt Surround AI im Zusammenspiel mit Dolby Atmos und DTS:X zusätzlich zu deren Höheneffekte weitere (sinnvolle) Geräusche von oben kommen, was mittelmäßige 3D-Sound-Abmischungen aufwertet.

Das Ergebnis ist auch hörbar besser, als wenn man den 3D-Track als Mehrkanal-PCM-Spur einspielt und den Dolby Surround Upmixers oder DTS Neural:X einschaltet. Die gewöhnlichen Upmixer werten nur die untere Ebene (das sogenannte „Bed“) der 3D-Sound-Abmischung aus. Gut nachvollziehen lässt sich dies in der Angriffszene von „Guardians Of The Galaxy Vol. 2“ in Kapitel 3, wenn man die möglichen Kombinationen mit abgeschalteter unterer Ebene anhört.

Weniger gut behaupten kann sich Surround AI hingegen beim Upmixing bei 5.1-Material. Ein gutes Beispiel bietet hier der in DTS-HD Master Audio 5.1 vorliegende Soundtrack von „Phantom Kommando“ – vor allem im Kapitel 6.

Hier liegt der Dolby Surround Upmixer ganz hinten, der das Geräusch des Hubschraubers trotz Perspektivenwechsel immer gleich (leise) wiedergibt, das Vogelgezwitscher über weite Strecken ignoriert und bei den Gewehrsalven kaum mehr als ein Zischen produziert. Hinzu kommt ein starkes Übersprechen von Stimmen auf die oberen Kanäle. Die beste Leistung bringt wiederum der DTS Neural:X, bei dem das starke Hubschraubergeräusch exakt passt, Vogelgezwitscher und Schüsse sehr gut reproduziert werden und es praktisch kein Übersprechen gibt.

Im Mittelfeld bewegt sich die Leitung des Upmixers von Surround AI, der ein mittelstarkes Hubschraubergeräusch erzeugt, das im Großen und Ganzen zur Szene passt, und zumindest etwas Vogelgezwitscher reproduziert. Die Gewehrsalven passen hier von der Intensität, Stimmen landen aber auch hier (leise) in den Höhenlautsprechern – und sind mit Hall versetzt.

Ähnliche Resultate kamen bei allen Hörtests heraus, wobei sich Dolby Surround Upmixer und DTS:X jeweils unterschiedlich gut schlugen. Surround AI erreichte als Upmixer aber nie die beste Leistung der drei Kandiaten. Auf Dauer fielen zudem recht häufige Lautstärkeschwankungen in den Höhenkanälen auf, die nicht mit dem Geschehen auf dem Schirm zu erklären waren. Allerdings muss ich auch anmerken, dass mir diese im gewöhnlichen Betrieb (mit eingeschalteter unterer Ebene) bislang nie aufgefallen sind.

Das Gesamtbild zählt

Und damit komme ich zum eigentlichen Punkt: In den Hörtests zeigte sich, dass AI eben mehr ist als ein Upmixer. Der Algorithmus beeinflusst vielmehr die Wiedergabe auf allen Kanälen – und kann dadurch immer wieder gegen DTS Neural:X punkten, der zwar die Höhenkanäle oftmals stärker befeuert, dies aber teilweise auf Kosten der Homogenität des Raumklangs.

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Genau um diese scheint es den Entwicklern von Surround AI gegangen zu sein. In vielen Testszenen – unabhängig ob mit 3D- oder 5.1-Material – hatte ich das Gefühl, stärker vom Sound eingehüllt zu werden. Teilweise ließen sich dann auch in mit Effekten überladenen Szenen Stimmen besser heraushören.

Allerdings zeigte sich auch, dass Surround AI kein Allheilmittel ist. Vor allem bei schwächeren 5.1-Abmischungen konnte ich keinen Effekt feststellen. Das ist schade, da ich mir erhofft hatte, dass die Funktion beispielsweise bei billigen US-amerikanischen Fernsehproduktionen hilft, wo in Actionszenen Dialoge gerne mal untergehen.

Ein von einem SSI-Leser mit A2080 berichtetes Problem, wonach eigentlich für den Center bestimmte Stimmen vernehmbar aus den Surround-Lautsprechern erschallen, habe ich nicht. Zwar sind tatsächlich in manchen Szenen aus den Rears Stimmen zu hören, wenn ich mein Ohr an die Boxen halte. Die sind aber so leise, dass sie bei gewöhnlichem Hörabstand nicht mehr wahrnehmbar sind.

Fazit

Alles in allem finde ich, dass Surround AI vor allem gute Soundtracks noch einen Tick besser macht, gegen schwache Mixe aber auch recht machtlos ist. Und letztlich ist das Ergebnis von der „Beschaffenheit“ jedes einzelnen Titels ab. Im Ergebnis bedeutet dies: Wer erwartet, dass er bei der Aktivierung der Funktion stets völlig umgehauen wird, wird sicher enttäuscht werden.

Seit meiner Meldung zur DTS:X-Sperre wurde ich mehrfach gefragt, ob ich den Receiver behalten werde. Die Antwort lautet ja. Natürlich ärgert mich die Einschränkung – und ich werde auch weiterhin bei Yamaha nachbohren, ob sich diese nicht rückgängig machen lässt.

Aber dennoch zählt für mich das Gesamtbild – und hier schneidet der Yamaha RX-A3080 für mich sehr gut ab. Mir gefällt generell der Klang und ich sehe Surround AI trotz der genannten Schwächen auch als Bereicherung. Ebenso habe ich mich mittlerweile mit dem Bedienkonzept inklusive der acht Szenen-Presets sehr angefreundet – und bin dabei, das Gerät in mein Smart Home einzubinden. Ergo: Der A3080 bleibt!

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Alle Angaben ohne Gewähr.

2 Comments

  1. Danke, sehr informativ.
    Haben sich ein paar Fehler mit eingeschlichen:

    „Der Receiver signalisiert über eine Status-LED an seinem Gehäuse, on Surround AI aktiviert ist.“

    „Die gewöhnliche Upmixer werten nur die untere..“

    „..und ich auch weiterhin bei Yamaha nachbohren, ob sich diese nicht rückgängig machen lässt.“

    „..es den Entwicklern von Surround A gegangen zu sein“

    „Weniger gut behaupten kann sich Surround AI beim Upmixing hingegen bei 5.1-Material.“

    Einen habe ich noch übersehen.
    Und „das-dass“ vielleicht nochmals überprüfen. Hierbei bin ich mir aber nicht ganz sicher.

    Reply
    • Vielen Dank für die Hinweise! Ich hoffe, dass ich jetzt alle Fehler gefunden und korrigiert habe.

      Gruß
      Nico

      Reply

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